Nach langer Zeit habe ich mich auch mal wieder meinen Marken aus Victoria gewidmet. Sie waren verstreut in vielen Alben, da oft preiswerte Sammlungen mit massenhaft Dubletten erworben wurden.

Erst nach der Konsolidierung konnte / musste ich feststellen, dass der Begriff “Dublette” doch extrem untertrieben war. Von den 1p der Michel-Typen  ar (Nr 109 und 110 ) hatte ich jetzt 380 Stück. Die gleiche Anzahl fand ich zu der 2d Mi 102. Von der 1d Mi 132 fand ich tatsächlich 1020 Marken. Die Katalog-Preise bewegen sich im untersten Bereich, d.h. Es bildet sich eigentlich kein Marktpreis und ich sollte normaler Weise die jeweils 10 mit der besten Qualität heraussuchen und den Rest in den Papierkorb werfen.

Aber, wie der Titel schon sagt:

Der Papierkorb kann warten

Mit der 1d Mi 109/110 möchte ich beginnen und werde dieselbe Analyse im Anschluss daran für die beiden anderen Designs durchführen. Berichten werde ich dann allerdings nur über Besonderheiten, da es hier ja um das Prinzip gehen soll.

Ermittlung der möglichen Besonderheiten laut Katalog

Hierbei geht es vor Allem darum, zu vermeiden, dass mögliche Besonderheiten und preisbildende Faktoren übersehen werden.

Spannend wären daher auch Einträge in Auktionskatalogen. Aber – wenn überhaupt – geht es nur um besondere Abstempelungen oder Lochungen.

Grundsätzlich sammele ich nach Stanley Gibbons und machmal suche ich auch bei Robson Lowe.

  • Michel listet dieses Design unter:
    • WZ 5 (V über Krone)
    • P 12,5
      • 109 braunorange bis rotbraun (im Katalog von 2002 gab es noch 2 Farbunterscheidungen)
      • 110 orangebraun auf rosa (16.06.1891)
    • Stempelmarken
      • P12 : 12,5
        • 49 olive (06. 06. 1901)
    • alle diese Marke im Cent-Bereich bis 5€

Bei Stanley Gibbons ist es das Design 72.

Die Perforation bleibt bei P12,5

In Verwendung sind jetzt vier unterschiedliche Wasserzeichen. Vom Grundsatz her alle mit dem Design V über Krone aber doch leicht unterschiedlich. Eigentlich ist das Wasserzeichen irrelevant, da auch bei Stanley Gibbons sich die Preise für alle Wasserzeichen-Varianten im untersten Preissegment bewegen.

Relevant ist nur die Farbe „Bright yellow-orange“ von 1894, die mit 20BPF angesetzt wird.

Bei Robson Lowe wird nur ein Wasserzeichen angegeben, allerdings auch mehrere Farben. Auch hier führt keine einzige Farbe zu einem bemerkenswerten Wert.

Hier wird an einziger Stelle angegeben, dass Wasserzeichen „normal“ und „kopfstehend“ vorkommen, jedoch in gleicher Anzahl und somit wertneutral.

Gedrehte Wasserzeichen („reversed“ ich vermute um 90 Grad gedreht) gibt es zwar; sie sind aber sehr selten. Bei Stanley Gibbons gibt es die 332b (Brown red) und 357 (rose red) ohne Preisangabe; daher vermute ich, dass es sich hier um die entsprechende Besonderheit handelt.

Eine Wertangabe fehlt hier aber auch.

Die größte Vielfalt gab es bei Robson Lowe; daher werden die dort geführten Angaben auch gelistet. Über das Datum werden die Farben von Michel (M) und Robson Lowe (RL) hinzugeführt.

Farbe / Wasserzeichen

Auflage (3)

W33

267.500.000

W19 W82

91.444.000

W85

46.540.000

Dull chestnut (01.01.1890)

313

deep red brown

(1890)

313a
Orange brown (1890) 313b
Brown-red (1890

Venetian red (01. 1890)

313c

297 (RL)

Yellow-brown (1891

Orange-braun auf rosa (M)

Orange brown 5 1891 (RL)

313d

110 (M)

288 (RL)

Bright yellow-orange 313e (teuer)
Brownish orange (1890) 313 f

286 (RL)

Orange-brown / pink 329

286 (RL)

Brown-red (13.06.1896

rotbraun (M)

dull pinkish-brown 01 1890 (RL)

332

109a (M)

Brownish orange (1897) 332a
rose-red

357

Rosine (1900)

mattrot 1899 (M)

357a

109b

olive (06.06.1901

olive (M)

357b

D49 (M)

yellow brown (12.93 RL)
golden orange (02.1894) (RL)
brown on rose (06.91) (RL)

Es sind somit 13 Farben und 4 unterschiedliche Wasserzeichen, die die Unterschiede in der Marke selber ausmachen, ohne signifikant den Wert zu beeinflussen.

Im Juni 1891 gab es einen „Not-Druck“ auf pink paper (3), was aber keinen Eingang in die Kataloge gefunden hat.

Der Wechsel zu rot bei den späteren Ausgaben basiert übrigens auf den Empfehlungen der U.P.U. für Inlandsporto-Marken.

Der sich dann anschließende Wechsel von Rot zu Olive in 1901 lag daran, dass Stamp Duty Ausgaben nur noch als Gebühren-Marken und nicht mehr für postalische Zwecke  (ab dem 30. Juni 1901) verwendet werden durften. Da olive-farbige Marken bereits am 6. Juni herauskamen, waren sie für genau 25 Tage auch noch postalisch gültig.

Diese Besonderheit war den Sammlern damals bekannt und so wurden die Marken Bogen-weise erworben und zu Entwertungen zum Eigennutz verwendet. Eine wirklich postalische Nutzung ist eher selten. (3)

victoria-dublette-farben

Ich bin farbenblind und habe umfangreiche Versuchsreihen gestartet, um mit einem Scanner Farben von Marke mit denen auf einem Farbenführer zu vergleichen. Alle bisherigen Ergebnisse würde ich eher als zufällig, denn als systematisch erwiesen einstufen.

Daher wurden die entsprechenden Passagen aus der aktuellen Version des Artikels entnommen.

 

Perforation:

Grundsätzlich gibt es diese Marke nur in P 12,5; daher macht eine gesonderte Analyse hier keinen Sinn.

vic-wing-margin

 

Hierbei handelt es sich um einen sogenannten „Wing Margin“ („Flügel-Rand“).

Diese Marke ist nicht “unschön platziert” sondern definitiv größer als die anderen Marken.

 

 

 

Auf der Internet-Seite von Stanley Gibbons, auf der sehr gut die unterschiedlichen Erhaltungszustände beschrieben werden, gibt es auch hierzu eine Auskunft.

https://www.stanleygibbons.com/stanleygibbons/view/content/sg_stamp_guide

Dies liegt an einer speziellen Produktionsmethode bei der Druckerei De La Rue. Die z.B. 240 Marken auf einem Druckbogen wurden in 12 Gruppen á 20 Marken mit einem Zwischenbereich positioniert. Bei der Perforation kann diese dann durch eine Verschiebung das Markenbild um mehrere Millimeter vergrößern.

Auch wenn der Preis i.d.R. niedriger ist, als bei zentrierten Marken, finde ich ein solches Beispiel durchaus sammelwürdig.

Wasserzeichen:

Dies ein recht schwieriges und aufwändiges Thema. Auch wenn dies für diese spezielle Marke keinen großen Wertunterschied ausmacht, so dient dies doch zur eindeutigen Unterscheidung und somit zur Klärung, ab es sich nun um eine echte Dublette handelt oder nicht.

vic-wmk

W19                           W33                           W82                         W85                        W104

Diese schöne vergleichende Übersicht stammt aus dem Buch von Geoff Kellow. Die Bezeichnungen laut Stanley Gibbons wurden darunter gesetzt und nur diese werden im weiteren verwendet.

Auf diesen Bildern und erst recht im Original sind diese Wasserzeichen recht schwer zu unterscheiden.

Klar ist W19, da die Strahlen, die von Steinen ausgehen, sehr gut zu sehen sind. Ebenfalls klar ist dieses WZ, weil es das einzige ist, wo das V nicht die Krone berührt. Hinzu kommt, dass der mittlere Teil unten ganz besonders eng wird.

Die Wahrscheinlichkeit für „normale“ und „inverted“ Wasserzeichen ist hier gleich verteilt. (3) Daher ist es auch erklärlich, dass dies nicht als Besonderheit gelistet wird.

W33 und W82 sind von mir in der Praxis kaum zu unterscheiden. Im Vergleich zu den rechten Wasserzeichen W85 uns W104 gibt es aber Kennzeichen.

Bei W85 treffen beide Seitenstränge nach oben die Kugeln nicht am äußeren Rand. Bei W104 ist dies nur für den rechten Strang gegeben, ansonsten gar nicht.

W82 ist ca. 0,5 mm breiter als W33 aber wer will dies objektiv feststellen wollen. Mir fällt auf, dass bei W82 die oberen beiden Ringe gleich breit sind. Bei W33 ist der obere Ring breiter. Ebenfalls ist bei W33 das Dreieck auf dem dünnen Arm des V größer und ausgeprägter als bei W82.

In der Praxis war für mich alles im Zweifel W82, da ich die Unterschiede nicht genau feststellen konnte.

W104 fällt auf, das es unten besonders schlank ist.

Bei der ganzen Analyse habe ich nur ein kopfstehendes Wasserzeichen gefunden.

Es gibt zwar Notierungen zu “sideways” d.h. seitenverkehrt aber keine zu kopfstehend, d.h. “inverted”.

Somit war auch diese Analyse zwar sehr aufwändig aber aber dennoch erfolgreich.

Grundsätzlich sind aber gerade W33 und W82 in der Praxis kaum zu unterscheiden. Deswegen ist es wichtig und richtig zunächst über die Farbe zu selektieren, da dann diverse Wasserzeichen bereits ausfallen.

Der Nummern-Stempel

Nummernstempel wurden von 1 – 2100 vergeben. Im Buch „The Numeral Cancellations Of Victoria“ sind alle mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen (teilweise bis zu 5 unterschiedliche Optionen), dem Gültigkeitszeitraum und der Häufigkeit aufgeführt.

Wichtig ist hierbei der Unterschied zwischen „not rated“ und „NNR = Number Not Recorded“.

„not rated“ bedeutet „üblich“, d.h. diese Nummer berechtigt keinen speziellen Wert. „NNR“ dagegen bedeutet, dass diese Nummer noch nicht gesehen, bzw. gelistet wurde. Gerade hier könnten sich sehr seltene Nummern verbergen.

Alle Nummern, die mit einem oder mehreren „S“ (Scarce = Selten) oder „R“ (Rare = besonders selten) gekennzeichnet wurden, erhalten eine besondere Erwähnung.

Für mich persönlich ist ein Nummern-Stempel dann sammelwürdig, wenn eine ausreichend sichere Zuordnung möglich wurde.

Oft handelt es sich um sogenannte Duplex-Stempel, die aus einem runden Orts-Datums-Stempel und daneben einer Nummer mit oben und unten (teilweise auch noch rechts und links) Balken. Für einen kompletten Stempel benötigt man somit ein größeres Stück einer Ganzsache oder zwei Marken nebeneinander. Wenn man Glück, wurde aber nicht sauber abgestempelt und man findet ausreichend Hinweise zur Identifikation bereits auf einer einzelnen Marke.

Die Nummer 2 (Geelong) gibt es bereits seit dem 1.7.1840; und als eine der ersten Nummern kommt sie recht häufig vor. Alleine von dieser Nummer sind 15 Variationen bekannt. Von diesen 15 Variationen haben immerhin 3 eine der „Seltenheits-Stufen“ erreicht.

vic-castlemain

Eine – in meinen Augen – kleine Sensation finde ich bereits bei einer Marke mit der Nummer 3 (Castlemaine).

Dieser Stempel weist die üblichen drei Balken oben und unten auf und auf der linken Seite einen einzelnen senkrechten Balken.

Links davon sieht man das Kreissegment vom Orts-Datums-Stempel.

Bei allen gelisteten Stempeln gibt es den Kreis um den Orts-Stempel aber nur, wenn links neben der Ziffer zwei senkrechte, drei waagerechte oder eben keine Balken sind.

 

Ein zweiter senkrechter Balken ist für mich aber nicht sichtbar.

Dieser Stempel ist somit nicht gelistet.

Interessant sind auch folgende Stempel, obwohl die Unterschiede nicht sofort erkenntlich sind.

vic-canc-4-variations

Links sieht man einen schwarzen senkrechten Strich über dem Zopf. Neben den drei Balken oben und unten gibt es noch Linien rechts und links, die das ovale Stempelbild vervollständigen.

Die beiden Marken rechts weisen diese Linien nicht auf.

Bei der Marke ganz rechts sieht man Ansätze eines Kreissegmentes links. Nur weil man dies in der Mitte nicht erkennen kann, bedeutet dies natürlich nicht, dass dies nicht vorhanden ist.

Die Marken mit der Nummer 4 stammen aus Sandhurst/Bendigo. Es handelt sich hierbei um unterschiedliche Namen für den gleichen Ort.

Von der Marke mit dem senkrechten Balken gibt es diverse Typen, die über dieses Bild nicht identifizierbar sind.

Ohne diesen senkrechten Balken gibt es diese Stempel nur für Bendigo, d.h. nach dem 27.6.1891.

Alle drei mögliche Typen weisen links einen einfach umrundeten Orts-Datum-Stempel auf.

Unterschieden werden diese Marken über die Dicke der Striche der 4 und deren Höhe.

Bei der mittleren Marke ist die „4“ 7mm hoch und rechts 7,5mm.

Die 4 auf der rechten Marke weist einen signifikant dickeren Senkrechtbalken auf.

Der mittelere Stempel ist somit 4B(3) und wurde zwischen Mitte 1892 und Anfang 1900 verwendet.

Der rechte Stempel ist 4B(1) und wurde zwischen 1891 und End 1899 verwendet.

Die dritte mögliche Variante hätte eine Höhe von 6,5mm.

Der Unterschied ist nicht relevant für den Preis; trotzdem wäre es hilfreich, eine Methode zu kennen, um die Höhe zweifelsfrei zu bestimmen.

vic-canc-620

 

Manchmal ist auch der Wunsch der Vater des Gedanken. Für mich war dies zunächst eine klare „620“, die mit RRRR gewertet wurde, d.h. es gab sie quasi gar nicht. Leider wies das benötigte Markenbild erheblich dünnere Ziffern auf. Da nicht alle Ziffern über 1000 mit einem „M“ beginnen, wurde ich leider bei „1620“ fündig, einer Nummer ohne Seltenheit.

 

vic-canc-x24

Bei diesem Stempel musste ebenfalls überlegt werden.

Die letzten beiden Ziffern sind ganz klar „28“; aber was kommt davor?

Offensichtlich sieht man zwei waagerechte Striche. Die Ziffern „0“; „3“, „5“, „6“, „8“ und „9“ weisen im unteren Bereich eine Rundung auf und scheiden somit aus. Die „2“ ist abgebildet. Es gibt ein Vielzahl von Darstellungs-Optionen aber mir ist nicht bekannt, dass innerhalb eines Stempels unterschiedliche Versionen verwendet werden. Die hier abgebildete weist einen Strich nach oben, „1“ und „7“ werden ebenfalls einen senkrechten oder schrägen Strich aufweisen. Es bleibt somit definitiv nur die „4“ über und diese würde ja auch Sinn machen.

„428“ Flinders hat die Stufe „S“ und daher freue ich mich über die beiden kleinen Striche.

Beim nächsten Mal werde ich die „4“ bestimmt sofort „lesen“ können.

Von diesen Fundstücken gibt es tatsächliche einige. Es sind nur 2 Ziffern von 3 oder 4 sichtbar. Meistens gibt es aber Ansätze, um die Möglichkeiten einzuschränken. Wenn zwischen der oberen und unteren dunklen Stelle beim Abdruck eine Lücke ist, kann es z.B. keine „0“ und auch keine „6“ sein. Gerade habe ich eine untersucht – ich möchte hier nicht alle Beispiele abbilden – die sich zum Schluss als „303“ ergeben hatte. Den entscheidenden Hinweis gab hier aber ein Teil eines Buchstabens („D“ oder „O“ oder „P“) mit einem winzigen Strich dahinter. Dieser Strich trennt den Ortsnamen von dem Text „VICTORIA“. Der einzige Ort der hier passte, war „Mt. Jeffcott Donald“ (nur DONALD wird gedruckt) und somit war die „303“ nachgewiesen.

Als ich diese Marke einsortieren wollte, stellte ich fest, dass sie unverhältnismäßig dick war. Dahinter lag noch eine Marke mit einer spannenden Firmenlochung „QM & S“ oder so ähnlich. Diese werde ich dann im Kapitel „Perfins“ besprechen.

vic-canc-x88

 

Auch dieser Stempel ist sehr interessant. Klar ist, dass die Zahl mit 88 endet und keinen seitlichen Balken aufweist. Leider weiß ich nicht wie breit der Stempel ist und habe daher alle Optionen von 188 bis 2088 geprüft. Der Stempeltyp und die Darstellung der Ziffern passt auf 488, 888, 1988 und 2088. Die ersten beiden Optionen sind mit dem Seltenheitsgrad „NR = not rated“ unspektakulär. Ich werde diese Marke aber dennoch aufheben, bis ich die beiden anderen Optionen ausschließen kann. Beide werden als „RRRR“ eingestuft und sind somit extrem selten.

 

Meine letzten Nummernstempel kommen jetzt unter die Lupe und tatsächlich habe ich noch ein seltenes Exemplar entdeckt.

vic-canc-43x

 

Sichtbar sind die „43“ und rechts davon unten der Ansatz einer „3“ oder „9“. Links davon sieht man die Buchstaben „LA“. Diese Kombination gibt es am Ende eines Ortsnamens nur bei Nine Creeks Dimboola. Dort gibt es drei Möglichkeiten. Einmal fette Ziffern ohne Duplex, was hier genau so ausscheidet, wie der Duplexstempel, bei dem der Datums-Orts-Teil umrandet ist. Also handelt es sich zwingend um den First Duplex von 1880, der mit der Seltenheit „R“ eingestuft wird.

Hätten Sie früher dies gefunden? Ich jedenfalls nicht.

 

In Summe wurden 75 unterschiedliche Nummern gefunden. Neben den hier beschriebenen „Fundstücken“ gab es dann auch noch 5 Marken mit einem Stempel der Stufe „S“. Bereits jetzt bin ich mit der Ausbeute mehr als zufrieden.

Vor dem Wechsel zu den Ortsstempeln möchte ich noch einen schönen, vollständigen Duplexstempel auf einem Marken-Paar zeigen.

vic-canc-265

 

Hier sind sehr schön alle Aspekte deutlich sichtbar, die man zur Bestimmung benötigt.

Links neben dem Nummern-Teil gibt es den Orts-Datums-Teil. Sollte sich dieser Teil rechts befinden, handelt es sich zwingend um den Teil eines zweiten Stempels, der weiter rechts abgeschlagen wurde.

Diese beiden Teile müssen somit nicht zueinander passen.

Ganz anders ist der Zusammenhang zwischen beiden Teilen eines Duplex-Stempels.

Im Orts-Datums-Stempel sieht man unten rechts die Buchstaben-Folge „IA“. Dies stammt zwingend von Victoria. Nach dem Zusammenschluss zum Commonwealth könnte man aber auch z.B. Tasmania finden.

Da drüber sieht man den Bindestrich. Dieser ist wirklich häufig eine wichtige Orientierung. Alles was oberhalb/links von diesem Strich sichtbar ist, gehört zu Ortsnamen.

Häufig benötigt man den Ortsnamen, um aus mehreren Optionen, die die sichtbare Nummernfolge ergibt, die richtige zu ermitteln.

In diesem Falle handelt es sich um QUARTZ REEFS, STANWELL (265).

Trotzdem kann es rechts immer zu Irritationen und Diskussionen kommen.

Es gilbt oben und unten jeweils drei Balken, rechts und links aber keine.

Wie angekündigt, habe ich auch zwei weitere Designs von Allerweltsmarken geprüft.

vic-canc-512

 

Zunächst erkennt man nur eine „5“ und danach ein Strich nach oben wie bei einer „1“ oder „7“. Es ist ebenfalls offensichtlich, dass noch eine weitere Ziffer folgt. D.h. der Wert liegt zwischen „510“ und „579“.

Normaler Weise ist eine Nummer mit so vielen Optionen nicht zweifelsfrei zu ermitteln.

Die „5“ ist aber derart groß, dass sie keinem der mehrfach verwendeten Typen zugeordnet wurde.

Es handelt sich eindeutig um die „512“, die tatsächlich mit „RRRR“ bewertet wird und somit schon wieder um einen tollen Fund.

 

Der Orts-Stempel

Wie wir oben gesehen haben, gehören die meisten Nummern zu einem Duplex-Stempel, der rechts die Nummer in mehr oder weniger Balken eingebettet hat und links die Kombination aus Datum und Ort; mal mit und mal ohne Umkreis.

Somit kann man den „Nummern-Stempel“ auch ohne Nummer zuordnen und identifizieren.

Zur Identifikation von Ortsstempeln, von denen meistens nur einzelne Buchstaben klar sichtbar sind, ist eine Auflistung aller Orte mit der Zuordnung der Nummern hilfreich.

Hierzu dient z.B. die Literatur 1 und 2. Man sollte die Texte als PDF einscannen und dann mit einem PDF-OCR-Konverter das PDF „lesbar“ machen. Die Suchfunktion im Computer (i.d.R. mit CTRL F) ermittelt dann alle Orte, die diese Buchstabenkombination enthalten.

vic-canc-xmhill

Auf dieser Marke erkennt man eindeutig die Buchstaben „MHILL“ mit Umkreis. Es gibt drei Orte mit diesen Buchstaben; in der der Kombination mit dem Kreis habe ich aber nur zwei gefunden.

OPOSSUM HILL ORVILLE (RRRR) und HOTHAM HILL (RRRR).

Ohne Referenz-Abbildung zum Vergleich der Schrift ist eine konkrete Zuordnung für mich nicht möglich.

Auf jeden Fall ist dies ein seltenes Stück und ein wirklich erfreulicher Fund.

vic-canc-xarton

 

An diesem Stempel bin ich allerdings verzweifelt. Links ist „ARTON“ eindeutig. Rechts daneben ist es ein „W“ oder ein „V“.

Es gibt viele Orte, die den Zusatz „West“, oder „Valley“ etc. haben. Aber auch nach 10maligem Lesen aller 2100 Orte habe ich nichts passendes gefunden.

Entweder ist dies etwas ganz besonderes oder ggf. sogar gar kein Nummern-Stempel und daher in dieser Literatur nicht gelistet.

 

In Summe habe tatsächlich 275 unterschiedliche Orts- und Nummernstempel eindeutig identifizieren können. Hiervon waren einige seltene oder sogar sehr seltene vertreten.

Die Analyse war sehr aufwändig aber ich bin sehr froh, dass ich die Dubletten geprüft hatte

Sonstige Stempel

Grundsätzlich bietet ein solches Paket an „Dubletten“ immer viel Vergleichsmaterial zu den Stempeln der Standard-Orte. Gerade zu den ersten Städten wie Melbourne, Ballarat oder Geelong

gibt es eine große Vielzahl unterschiedlicher Stempeltypen. Eine Stempelsammlung zu Victoria ist eine spannende Sache, die man sehr gut mit der Analyse eines solchen Bulks beginnen kann.

Als Ergebnis der bisherigen Analyse habe ich bereits 100 Marken nur wegen der Stempel zur Seite gelegt
und somit vor dem Papierkorb bewahrt.

vic-manuscript-canc

Bei den „Sonstigen Stempeln“ sind mir diese vier Kandidaten zuerst aufgefallen. Es handelt sich hierbei um sogenannte „Manuscript Cancellation“.

https://www.stanleygibbons.com/stanleygibbons/view/content/sg_stamp_guide entnehme ich, dass es sich meistens um eine fiskalische Entwertung handelt, d.h. damit wurden Gebühren an die Staatskasse bezahlt. Diese Marken sind erheblich weniger wert.

Ab dem 1. Juli 1901 durften Marken mit dem Zusatz „STAMP DUTY“ nur noch fiskalisch verwendet werden. Davor war aber auch eine postalische Verwertung möglich.

vic-canc-r

Entsprechend der oben zitierten Internetseite von Stanley Gibbons gibt es gerade bei Australien durchaus handschriftliche Entwertungen für eine postalische Verrechnung. Leider ist mir nicht bekannt, wie ich den einen Typ der Entwertung von dem Typ unterscheiden kann.

Und solange bleiben auch diese Marken in meinem Album

Aber Philatelie macht ja erst dann richtig Spaß, wenn man sich so richtig reinkniet.

Und so habe ich im Buch The Numeral.. (1) ein ganzes Kapitel hierzu gefunden. Es gibt somit 85 Poststationen, bei denen die Handschrift an Stelle des Stempels eingesetzt wurde, z.B. weil die Stempel-Farbe ausgegangen war.

Die Marke ganz rechts enthält ganz offensichtlich mehr Text als nur eine Namenskürzel und das Datum. Somit ist hier von postalischer Verwendung auszugehen auch wenn ich den Ort nicht identifizieren kann.

Mit dieser Erkenntnis habe ich erneut den Markenbestand geprüft und zwei weitere gefunden, die auf eine postalische Entwertung hindeuten und mir bisher nicht aufgefallen waren.

(auflisten…..)

Die Bedeutung dieser Stempel „R“ mit und ohne Umkreis ist mir noch nicht bekannt. Ich gehe allerdings von Einschreibe-Sendungen aus.

Interessant sind auch immer die Stempel der Travelling Post Offices und andere, die auf eine Bahnbeförderung hinweisen.

Diese „fahrenden Postämter“ gibt es seit 1865. Die Infrastruktur gehörte der Eisenbahn aber die Bediensteten waren der Post zugeordnet. Hier wurde die Sortierung während der Fahrt vorgenommen.

vic-canc-tpo

Es gab bis zu 19 T.P.O.s deren Dienst 1932 dann endgültig eingestellt wurde.

Auf manchen Stempeln steht „nur“ T.P.O. auf anderen aber „DOWN TRAIN“ oder „UP TRAIN“. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Stempel von T.P.O.s nur dass hieraus die Reiseroute ersichtlich wurde.

„UP“ bedeutet, dass der Zug in Richtung Melbourne fuhr und „DOWN“ kennzeichnete die Gegenrichtung.

Üblicher Weise sind die DOWN-Stempel oktagonal (achteckig) und die UP-Stempel rund.

Bei dem zweiten Stempel von rechts handelt es sich somit eindeutig um einen DOWN-Stempel.

Dieser DOWN-Stempel ist 6-fach so selten, wie der UP-Stempel.

Nach 1907 wurde dann aber der „Commonwealth“-Typ eingeführt, der für beide Richtungen rund war.

Da ich zu T.P.O. noch eine gesonderte Publikation erstellen werden, soll dies an dieser Stelle zunächst ausreichen.

Die Informationen zu den T.P.O.-Stempeln stammen aus (4).

vic-canc-english

Bei dem Stempel ganz links handelt es sich allerdings nicht um diesen Typ. Es handelt sich um einen Duplex-Stempel, der von 1888 bis 1908 für „ENGLISH MAIL TPO“ verwendet wurde. Per Zug wurde hier die für England bestimmte Post auf das Schiff gebracht.

Bei diesen Marken handelt es sich um „ENGLISH MAIL TPO“ in der Version „OUT“.

 

Hierbei handelt es sich um Schiffspost, obwohl TPO doch Travelling Post Office bedeutet. Beides ist richtig. Wenn das Schiff nach England den Hafen von Melbourne bereits verlassen hatte, war der Postzug offensichtlich schneller in Adelaide als das Schiff. D.h. es handelt sich hierbei um eine Kombination aus Ship Mail, Late Fee und TPO.

Von 1888 – 1908 gab es diese Stempel mit nur einem Kreis (siehe obere Reihe). Von 1908 – 1914 weisen sie zwei Kreise auf, wie in dem obigen Beispiel. Innen gibt es dann noch „IN“ oder „OUT“. Offensichtlich gab es somit auch die Beschleunigungs-Option für eingehende Post.

Ab 1914 wird der Text in den Kreisen noch um „VICTORIA“ ergänzt. (Robson Bd 42)

vic-canc-bank-of

 

Dieser Stempel „BANK OF VICTORIA LIMITED MELBOURNE“ von 1889 mit handschriftlicher Entwertung konnte bisher noch nicht zugeordnet werden.

Ich vermute, dass es sich um eine fiskalische Entwertung handelt.

 

 

vic-canc-post-office

ebenfalls unbekannt ist dieser POST OFFICE Stempel.

Eine Textsequenze beginnt mit „STO“ und eine andere könnte „CHANGE“ oder auch „CHARGE“ bedeuten.

Bei „STORAGE CHARGE“ könnte es sich um gelagerte Briefe handeln.

vic-canc-telegraph

 

Schön finde ich auch diese beiden Stempel eines „TELEGRAPH OFFICE“. Die Stempel-Form ist oval (auf der Internet-Seite von Dave Elsmore gibt es auch ein Beispiel in rund). Im Innenbereich steht dann der Ort (hier offensichtlich Melbourne und Kilda) und das Datum.

 

 

Auch diese beiden Stempel aus meinem Dublettenbestand lohnen einen zweiten Blick und etwas Nachforschung.

vic-canc-unclaimed-paquebot

Sowohl bei „UNCLAIMED“ als auch bei „PAQUEBOT“ handelt es sich um Nebenstempel, die somit zusätzlich auf dem Brief angebracht werden aber eigentlich nicht zur Entwertung der Marken eingesetzt werden.

„UNCLAIMED“ bedeutet „nicht zugestellt“ bzw. „Empfänger nicht gefunden“.

„PAQUEBOT“ ist ein französischer Begriff und bedeutet „Postschiff“. Französisch war die internationale „Post-Sprache“. Dieser Begriff basiert auf Festlegungen während des Weltpostkongresses in Wien 1891.

Es handelt sich um einen Nebenstempel für an Bord eines britischen Schiffes aufgelieferte Sendungen. Nach den Regelungen ist Schiffspost mit den Marken des Heimatlandes des Schiffes freizumachen, nach Erreichen der Hoheitsgewässer eines anderen Landes aber entsprechende dem dort gültigen Tarif mit Marken diesen Landes.

Wenn Sendungen auf Schiffen den Stempel „PAQUEBOT“ erhalten, gilt dies als Nachweis der ordnungsmäßigen Freimachung mit Marken eines anderen Staates, damit keine Nachgebühr erhoben wird.

(Lexikon, Ulrich Häger)

vic-canc-late-fee

Hier sieht man 3 LATE FEE Stempel in zwei unterschiedlichen Ausprägungen. Auch zu LATE FEE sind gesonderte Artikel geplant. Daher hier nur in Kürze, dass es sich um eine Art Verspätungs-Zuschlag handelt.

vic-canc-unbekannt

Und hier noch 3 Stempel, die ich nicht zuordnen konnte. Aber vielleicht gibt es ja Tipps aus der Leserschaft.

Ganz rechts ist voraussichtlich „EXCHANGE“.

 

Zum Schluss habe ich noch dreimal eine Abstempelung in Tasmanien gefunden.

vic-canc-tasmania

Da ich hier nicht das Datum erkennen kann, gehe ich davon aus, dass es sich um eine „normale“ Verwendung nach dem Zusammenschluss handelt. Im Commonwealth durften die Kolonial-Marken noch eine Weile verwendet werden.

Nach dem 1. Juli 1901 war die Verwendung für Marken mit „STAMP DUTY“ aber nur für fiskalische Zwecke zulässig.

Ob sich aus dieser Kombination ein Konflikt oder eine Besonderheit ableiten lässt, ist mir leider nicht bekannt.

Lochungen / Perfins

In diesem untersuchten Bulk waren nur zwei gelochten Marke dabei.

vic-perf-beispiel

Links ist der Klassiker, die übliche „Official Services“ Lochung. Ohne diese hätte ich aber vergessen, dass man solche Lochungen von rechts nach links lesen muss, wenn man die Marke von der Rückseite betrachtet.

Auf der häufig erwähnten Internet-Seite von Dave Elsmore findet man auch vieles zu Lochungen, da es sich in diesem Falle um eine Stamp Duty handelte.

Wenn man die Marke unter der Lupe betrachtet und auch die nur angedeuteten Durchstiche berücksichtigt, ergibt sich „ M G & S“. Dies ist das Zeichen von G Mowling & Son, einer Firma, die Kerzen und Seife hergestellt hatte.

Diese Lochung gibt es in drei Varianten, allerdings immer nur für die 1d Stamp Duty. Da die Marke einen sauberen Datumsstempel von 1806 trug, ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um die erste Variante handelt, die seit 1896 im Einsatz wa

Interessantes aus der Literatur

In (3) gibt es sogar ein ganzes Kapitel über diese so unscheinbar erscheinende Massenware.

Dieses sogenannte „Reading Design“ zu 1d ist gemeinsam mit der Absenkung der Basis-Gebühr für Inlandsbriefe von 2d auf 1d (1889) auf den Markt gekommen. Diese Marke ist sogar speziell für diese Gebühren-Änderung erschaffen worden. Somit gehört diese Marke sicherlich zu den am häufigsten verwendeten Marken in Victoria.

Auf Grund der schlechten Wirtschaftslage wurden die Gebühren Ende 1892 aber wieder auf 2d angehoben. Das Leben dieser Marke war somit intensiv aber auch recht kurz.

Während der Lebenszeit wurden 15 Electrotype Platten zu je 120 Marken hergestellt. Hier gibt es diverse Abweichungen. Auch wenn mir hieraus keine Preis-bildenden Einflüsse bekannt sind, finde ich dies spannend und würde solche Marken nicht als Dublette in der Masse verschwinden lassen.

Identifizierbar sind diese Besonderheiten durch eine abweichende Farbe im Eck-Quadrat unten rechts (ich gehe davon aus dass „SE“ auf der südlichen Halbkugel rechts ist) und unter dem „Y“ von „PENNY“. Zusätzlich gibt es noch einen Farbfleck links vom Ohr.

Die Platten wurden z.T. dann wieder repariert, so dass es sie im Original- und im reparierten Zustand gibt.

Ich konnte leider keine Beispiele identifizieren.

Als Besonderheit gibt es noch Marken mit dem Überdruck „O.S.“(3). Diese wurden probeweise in Süd-Australien verwendet

erzielbare Preise

Für so ein Sammelsurium an Objekten etwas über erzielbare Preise zu berichten, ist normaler Weise nicht möglich. Durch Zufall habe ich in einem Auktionskatalog fast genau die Mischung von Abstempelungen gefunden, die ich auch oben beschreiben konnte.

Es wurden fast 330€ realisiert.

Sale: 52 Australian States: Victoria: A cancellation collection in an album, from imperfs. incl. a wide range of numeral and town cancels, T.P.O’s, M.O. offices, Telegraphs, Late Fees, used in Tasmania, etc., mixed condition, many fine strikes. (100s) Price Realised £260

Natürlich darf man jetzt nicht die wirklich vielen Stunden der Analyse dagegen rechnen. Die Analyse hat Spaß gemacht und sollte somit nicht kommerziell beurteilt werden.

verwendete Literatur:

1. The Numeral Cancellation of Victoria

2. Australian Numeral.. (Campbell)

3. The Stamps of Victoria Geoff Kellow

4. Robson Lowe Band 42

 Bei PPA gibt spezielle Seiten und manchmal auch (wie Dez. 2016) spezielle Angebote zu Nummern- und Datums-Stempel von Victoria mit schönen Suchfunktionen