von Franz Blazek, Wennigsen

Intern. Motivgruppe Eisenbahnwesen e.V. ArGe im BDPh e.V

EISENBAHNGESCHICHTE 

Vor 125 Jahren – Eröffnung der Cairns-Kuranda-Eisenbahn

Die Eisenbahnlinie heißt heute Kuranda Scenic Railway und liegt im australischen Queensland.

Obwohl die Strecke nur 75,1 Kilometer lang wurde, benötigte man zu ihrer Erstellung doch 9 Jahre.

Allein die Vermessungsarbeiten dauerten 4 Jahre.

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Banner der Kuranda Scenic Railway

 

 

 

 

 

 

Ausschlaggebend für ihren Bau war die lange anhaltende Regenzeit 1882 in Nord-Queensland. Am Wild River bei Herberton befanden sich die Zinngrubenarbeiter in einer sehr schrecklichen Situation, denn sie konnten nicht mit Proviant versorgt werden. Die Straße von Port Douglas ins Inland war ein einziger Morast und daher unbefahrbar und somit forderten die Siedler und Grubenarbeiter den Bau einer Eisenbahnlinie zur Küste.

Es standen Wahlen an, die Politiker wurden rege und ließen nach einer Route vom Atherton Tableland an die Küste suchen. In Port Douglas und Cairns wurden Eisenbahnvereine gegründete, die sich stark für den Anspruch auf eine Eisenbahnlinie engagierten. Im März 1884 traf ein Landvermesser namens Monk unter Berücksichtigung aller bisher vorgenommenen Untersuchungen eine weitreichende Entscheidung. Er hatte die Strecke durch die Schlucht im Barron-Tal ausgewählt und damit Cairns favorisiert.

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◄ Fotografie vom 25.VI.1891, 1. offizieller Personenverkehr.

 

 

 

 

Der damalige Ministerpräsident von Queensland, Sir Samuel Griffith, führte am 10. Mai 1886 den ersten Spatenstich mit einem silbernen Spaten aus. Das Bahnprojekt wurde in drei Streckenabschnitte aufgeteilt und ausgeschrieben. Sie waren unterschiedlich umfangreich – 13,2 km, 24,5 km und 37,4 km und führten zusammen hinauf ins Tableland von Atherton nach Mareeba. Während die Abschnitte 1 und 3 relativ wenige Probleme bereiteten, war Abschnitt 2 äußerst schwierig und gefährlich zu bewältigen. Die Probleme, die es zu lösen galt, bestanden in der Steilheit des Terrains, im dichten Urwald und bei den Ureinwohnern, die „ihr Land“ energisch verteidigten.

Der Aufstieg ins problematische Gebiet begann bei Redlynch (5,5 m über Meeresspiegel) bis in einer Höhe von 327,1 m ü.M. der Punkt Myola erreicht werden konnte. Um den Höhenunterscheid von 321,6 m überwinden zu können, war das Auffahren von 15 Tunnel ebenso erforderlich wie der Ausbau von 93 Kurven. Bei der Errichtung von 37 teilweise kompliziertesten Brückenkonstruktionen verloren 23 Arbeiter ihr Leben.

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Australien – Mi.-Nr.: 1352

 

 

 

 

 

Streckenabschnitt Nr. 1 führte von Cairns bis etwas hinter Redlynch. Auftragnehmer für den Bau dieses Teilstücks war ein Mr. P. C. Smith, dessen Angebot sich über eine Summe von $ 40.000 belief. Die Arbeiten verliefen aber unter keinem günstigen Stern, denn die Arbeiter wurden fast alle krank, denn deren Arbeit in den Sümpfen und Urwäldern war kaum auszuführen. Folgerichtig kündigte P. C. Smith den Vertrag im November 1886, der dann sofort von der Fa. McBride & Co. übernommen und fortgeführt wurde. Die Verhältnisse änderten sich aber nicht und schon im Januar 1887 „warf McBride das Handtuch“. Letztendlich musste das Land Queensland den 1. Abschnitt zu seinen Lasten und sehr hohen Kosten zu Ende führen.

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Australien – MI.-Nr.: 1358 –                                                  Wertzeichen vom Folienblatt bzw. von der Rolle ►

 

 

 

 

Das Unternehmen John Robb bekam am 21. Januar 1887 den Zuschlag zum Bau des Streckenabschnitts Nr. 2 für eine Summe in Höhe von $ 580.188. In der einschlägigen Literatur ist nachzulesen, dass das Unternehmen eine   „Eisenbahn von Hand“ erbaut hat. Die Arbeitsgeräte waren Strategie, Willensstärke, handbetriebene Geräte, Dynamit, Eimer und die bloßen Hände. Bulldozer, Bohrhämmer oder anderes modernes Gerät waren auf diesem Streckenteil nicht einsetzbar. Am Beard’s Cutting ereignete sich dann auch der erste tödliche Unfall.

Die Erdarbeiten erwiesen sich als besonders schwierig, denn für die tiefen Einschnitte und ausgedehnten Bahndämme mussten insgesamt 2,3 Mio. m³ Bodenaushub vorgenommen und bewegt werden. Besonders schwierig waren diese Arbeiten im Barron-Tal, denn die Hänge waren nicht nur extrem steil, sondern sie wiesen auch 4,6 bis 7,6 m dicke Schichten von losen Felsbrocken, Geröll sowie schimmeliger und fauliger Vegetation auf. So kam es das Erdrutsche an der Tagesordnung standen. An diesem Projekt waren zeitweise bis 1500 Arbeiter beschäftigt, die meisten davon Iren und Italiener.

Die Arbeitsbedingungen waren untragbar und so wurde bei einer Versammlung am 20. April 1888 in Kamerunga die Victorian LabourLeague gegründet. Aber das Verhältnis zwischen Arbeitern und Unternehmern blieb äußerst gespannt und so kam es unausweichlich im August 1890 zu einem großen Streik beim Eisenbahnbau. Die neu gegründete Gewerkschaft The United Sons of Toil verlangte für jeden Arbeiter einen Tageslohn in Höhe von 90 Cent. Schon im September konnte Einigung erzielt werden und der Lohn der Streckenarbeiter wurde von 80 auf 85 Cent pro Tag erhöht.

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◄ Streckenkarte vom Juni 1891.

Die Brücke von Stoney Creek (abgebildet auf den Wertzeichen) ging im April 1890 ihrer Fertigstellung entgegen und der Gouverneur von Queensland, Sir Henry Wiley Normann stattete dem Bauwerk einen Besuch ab.

 

 

Das Bankett zu seinen Ehren war mitten auf der Brücke aufgebaut, so entgingen die Arbeiter und Festgäste eine seiner „ewiglangen“ Reden, denn das Getöse des Wasserfalls übertönte alles.

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Australien – Mi.-Nr.: 3383

Folienblattdeckel mit 5 x 3383 ►

 

 

 

 

 

Bis zum Ende des 2. Bauabschnitts in Myola waren die Schienen am 13. Mai 1891 verlegt. Am 15. Juni eröffnet Mr. Johnstone, ein Eisenbahnbau-Kommissionsmitglied, die Linie für den Frachtverkehr und zehn Tage später wurde die Cairns-Kuranda-Eisenbahn auch für den Personenverkehr freigegeben.

mi-block-102 ◄ Australien – Mi.-Nr.: Block 102 I, Block 101 (Wz 3379) mit Aufdruck zur Internationalen Briefmarkenaus-stellung in London 2010.

Nachdem der Handelsverkehr auf der Strecke zunahm, wurde Port Douglas ausgeklammert. Vor 125 Jahren wäre das für den Ort fast der Tod gewesen, heute ist hier der Ausgangspunkt für die unzähligen Besucher des Great Barrier Reef.

 

 

Aber Cairns nahm starken wirtschaftlichen Aufschwung, denn in Richtung des Tafellands entwickelte sich die Zuckerindustrie und ein reiches Viehwirtschaftsgebiet.  

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◄ Foto-Ansichtskarte des Bahnhofs von Kuranda, der bis heute leider noch keine philatelistische Berücksichjtigung fand.

Ab 1911 verausgabte die Post des Commonwealth of Australia ihre berühmt berüchtigten Letter Cards (Kartenbriefe, die mittels Klebstoffleisten verschlossen werden und die mittels Perforation wieder aufzureißen waren).

 

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Diese Letter Cards erschienen zuerst auf dickem Papier mit dem Wertstempel „Brustbild König Georg – One Penny“ mit einem ovalen Zudruck in 7 verschiedenen Farben (blau, braun, grün, rot, schwarz, violett und grau). Im gleichen Jahr, mit dem gleichen Wertstempel, diesmal aber auf dünnerem Papier, erschienen wieder 7 Letter Cards in den gleichen Farben, wie bei der Vorserie. Um es komplett zu machen, eine dritte Serie mit 7 Letter Cards erschien, gleicher Wertstempel aber wieder aus dickerem Papier, jedoch mit grünlichem Grundton, wieder in den gleichen Farben.

 

 

 

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1913 erschien wieder eine größere Anzahl dieser Letter Cards, diesmal mit dem Wertstempel „Landkarte mit Känguru“. Bei dieser großen Ausgabe (insgesamt 21 Stück) haben die Bildzudrucke manchmal ovale, manchmal auch rechteckige Formen, mal dickes, aber auch dünnes Papier und viele farbliche Variationen. Daher auch das Attribut „berüchtigt“, die Vielfalt ist einfach zu unüberschaubar.

 

 

 

 

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115 Jahre nach Eröffnung der Strecke erschien diese Ganzsachen-Postkarte mit der Abb. „Stoney Creek Falls“.

Ansichtskarten sind nicht mehr zählbar.

 

 

Als wäre das noch nicht genug, legt ein spanischer „Philatelist“ zu diesem Thema Ganzsachenumschläge auf, die er dann bei Delcampe und eBay zu (für ihn) auskömmlichen Preisen verkauft.

Diese Umschläge sind es wert, einmal näher betrachtet zu werden. Er hat wohl eine schlecht schätzbare Anzahl von spanischen Ganzsachenumschlägen gekauft, die mit dem Wertstempel „Tarifa A“ bedruckt sind. Der Brief wird, sofern nicht schwerer als 20 Gramm ist, im Inland bevorzugt befördert. Diese weißen Briefumschläge versieht er dann mit einem mehrfarbigen Schmuckzudruck, immer zeitlich auf ein Eisenbahnereignis in irgendeinem Land dieser Welt bezogen.

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Die Zudrucke entnimmt er meistens irgendwelchen Prospekten von Eisenbahnmuseen. Und von der alten Cairns-Kuranda-Railway und der heutigen Kuranda-Scenic-Railway gibt es Abbildungen zur Genüge, eine schöner als die andere, aber philatelistisch wertlos. Es sei denn, man sammelt zweckentfremdete Ganzsachenumschläge der Post Spaniens.

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Der Verkäufer des personalisierten Wertzeichens stammt ebenfalls aus Spanien.

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Franz Blazek