Historische Bahnhofsgebäude in Australien

 

mi-4027

Maryborough Railway Station, Vic 

◄ Australien – Mi.-Nr.: 4027

Der Hinweis VIC auf dem Sonderwertzeichen ist wichtig, denn in Australien gibt es vier verschiedene Bahnhöfe dieses Namens. Der abgebildete liegt in der Stadt Maryborough in der Victoria Street im Bundesstaat Victoria. Es handelt sich um den Endbahnhof der Eisenbahnlinie Mildura Line von Ballarat. 1874 wurde er erbaut und wird heute, nach über 140 Jahren wieder von der V/Line, einem Bundesunternehmen bedient. Denn der Bahnhof war schon einmal geschlossen worden.

Der Bahnhof sah 1874, bei der Streckeneröffnung, noch viel bescheidener aus, denn es war ein kleiner Zweckbau errichtet worden. Aber schon 1890 war der Verkehr auf dieser Linie, mit den vielen Unterwegshalten zum Umsteigen etc. vergrößert bzw. neu errichtet worden. Das Gebäude beherbergte 25 Dienst- und Aufenthaltsräume und sein hervorstechendes Merkmal war und ist der Uhrenturm aus rotem Backstein mit den künstlerischen Stuck-Ornamenten. Mark Twain war 1895 bei seinem Besuch der Stadt von der Schönheit des Bahnhofsgebäudes sehr angetan.

bahnstein-maryborough

Fotografie zeigt den Bahnsteig ca. 1910 ►

Anlässlich einer Fahrplanänderung wurde am 12. September 1993 der Betrieb des bei den Touristen unwahrscheinlich beliebten Vinelander eingestellt. Der anstelle dessen eingerichtete Busverkehr fand nicht die Zustimmung der Touristen.

Trotzdem dauerte es noch 12 Jahre, bis ein Beschluss der Landesregierung die Restaurierung und Neueröffnung des historischen Bahnhofs gewährleistete. Dies geschah in den Jahren 2006/08 und im Dezember 2008 wurde von der Landesregierung beschlossen, die Eisenbahnstrecke von Maryborough nach Ballarat wieder mit Personenschienenverkehr neu zu beleben. Seit dem 16. Juli 2010 wird die Strecke nun mit modernen dieselelektrischen Triebzügen bedient.

mi-4028

Quorn Railway Station, SA

◄ Australien – MI.-Nr.: 4028

Quorn ist ein kleiner Ort (knapp mehr als 1.000 Einwohner) und hieß bei seiner Gründung noch Quorndon, nach einem Ort in England benannt. Als 1879 die Eisenbahnlinie von Port Augusta den Ort erreichte, hieß er nur noch Quorn. Ganze 50 Jahre später, nämlich 1929, war die Strecke von Augusta bis Alice Springs fertiggestellt und sie bekam die Bezeichnung „Central Australia Railway“. Besser bekannt ist sie allerdings unter dem Namen „The Ghan Line“. Nach Erreichung des ersten Zieles wurde gleichzeitig der Bau eines kleinen Bahnhofs beschlossen, der auch schon am 15. Dezember des gleichen Jahres geöffnet werden konnte.

Schon 2 Jahre später wurde Quorn 1881 ein Eisenbahnkreuzungspunkt, denn mittlerweile hatten die Baukolonnen, die mit der Errichtung der Eisenbahnstrecke von Peterborough ausgehend beschäftigt waren, die Ortschaft erreicht.

bahnhof-quorn

 

◄ Fotografie zeigt den Bahnhof um 1912 etwa.

Im Zuge des Baues der Trans-Australia Railway über die Nullabor Plain war planerisch mit dem Erreichen des Orts Quorn etwa 1917 zu rechnen. Das erforderte eine veränderte Strecken-führung, denn der Verkehr war mittlerweile stark angestiegen. So wurde vorausschauend 1915 mit dem Bau eines Bahnhofs an anderer Stelle begonnen, diese Lösung überdauerte zwar 20 Jahre aber 1937 wurde die Ost-West-Linie über eine neue Route, Port Pirie tangierend, geführt.

Mit zunehmenden Verkehr wurde die Schmalspurbahn immer unrentabler, weil sie dem modernen Standard des Reisezugverkehrs nicht angepasst werden konnte. 1957 wurde die Eisenbahnstrecke Stirling North-Marree in Normalspur eröffnet, was die sofortige Schließung der Teilstrecke nach Hawker nach sich zog. Und schon 1972 war eine weitere Teilstrecke in Normalspur fertiggestellt und im Gegensatz dazu wurde die Schmalspurbahn geschlossen. 1987 wurde dann der Verkehr nach Peterborough endgültig eingestellt. Das Ende des Kreuzungspunkts Quorn bedeutete das aber nicht, weil eine Gesellschaft Pichi Richi Preservation Society ab 1974 damit begann, Teile der alten Schmalspurstrecke für den Tourismus aufzuarbeiten. Diese Arbeiten waren 2001 zu einem Ende gekommen und das Bahnhofsgebäude von Quorn wurde Sitz der Pichi-Richi-Gesellschaft.

mi-4029

Hay Railway Station NSW

◄ Australien – Mi.-Nr.: 4029

Im australischen New South Wales ist die Hay Railway Line angesiedelt. Sie war ursprünglich eine Verbindungsstrecke zwischen der Main South Line in Junee von wo aus der Bau in Richtung Hay auch begann. Hay als Endpunkt wurde am 4. Juli 1882 erreicht und auf der gesamten Strecke waren 17 Haltepunkte und Bahnhöfe angeordnet. Hinzu kamen noch zwei Abzweigungen, einer in Richtung Griffith du einer in Richtung Tocumwal. Zum gleichen Zeitpunkt muss auch das Bahnhofsgebäude errichtet worden sein. Leider gibt es darüber keine Unterlagen, doch das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. In einem Museumsführer von NSW ist nachzulesen, dass 1983 die Eisenbahnlinie nach Hay nach 101 Jahren Betrieb geschlossen und der Warenverkehr in 1984 endgültig eingestellt wurde. Danach überließ man den Bahnhof erst einmal „sich selbst“, aber nur bis zur Jahrtausendwende, dann wurden Pläne zur Renovierung gefasst. Diese wurden mit einem Kostenaufwand in Höhe von mehr als 1 Million australischen Dollar umgesetzt. Die Restaurierung verschiedener Bauteile war bereits ab 1992 erfolgt. In der Nähe des Bahnhofs wurde ein vollklimatisierter Eisenbahnwagen abgestellt, der heute das Dunera Museum beherbergt. Alten Weltkrieg II-Veteranen ist der Bahnhof Hay sehr bekannt, denn viele wurden nach Kriegsende dort in im eingerichteten POW- und Internierungslager gefangen gehalten.

mi-2060

 Normanton Railway Station QLD

◄ Australien – Mi.-Nr.: 4030

Die Ortschaft Normanton wurde 1868 gegründet, sie liegt auf einem hohen Eisensteinrücken und ihre Umgebung bilden eingefasste Küstensalzpfannen und mangroven-bewachsene Flusssysteme. Normanton ist heute ein wichtiger Standort für Australiens wandernde Watvögel. Die Ureinwohner nennen die Stadt „Barramundi – Hauptstadt des Nordens“.

Der Bahnhof wurde 1891 gebaut, zeitgleich mit der Fertigstellung einer Eisenbahnlinie von Normanton nach Croydon, einer Goldgräberstadt in ca. 150 Kilometer Entfernung im Landesinneren. Normanton entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Haupthafen, bzw. Hauptumschlagplatz für Croydon. Die Eisenbahnstrecke wurde so geführt, dass unterwegs die naheliegende Kupferbergbau-Siedlung in Cloncurry angebunden werden könnte, was aber nie zur Ausführung kam. Die Eisenbahnlinie Normanton-Croydon ist bis heute mit keiner anderen Linie verbunden.

Über den auf dem Wertzeichen abgebildeten Bahnhof findet man in der Literatur so gut wie keine Berichte oder Hinweise. Da wird der Bahnhof von Croydon viel häufiger erwähnt. Zu Normanton findet man ein paar Daten, die allerdings nicht den Bahnhof sondern die Schienenverkehrsbetrieb betreffen. Erklärt wird nur, dass der Bahnhof früher „Golden Gate“ benannt wurde, weil er das Tor zum Gold in Croydon darstellte.

Als Anfang der 1890er Jahre der Verkehr zwischen Normanton und Croydon aufgenommen wurde, befanden sich im Eigentum der Gesellschaft 5 Lokomotiven, 68 Wagen (Personen/Güter) und 2 Transportwagen für die Wachmannschaften. Drei Lokomotiven waren die 1877 gebauten Maschinen vom Typ A10, die zwischen 1888 und 1889 angekauft wurden, um den Baubetrieb zu betreuen bzw. um mit ihnen den Güterverkehr aufzunehmen. Zwei dieser A10-Maschinen wurden 1892 ausgemustert und ihre Fahrgestelle liegen heute noch in Bahnhofsnähe. Ersetzt wurden die Ausmusterungen durch neu gekaufte B-Maschinen.

1899 erhielt der Bahnhof eine eigene Post- und Telegrafenstation, eingerichtet wurde auch ein eigener Sparkassenschalter für die Reisen und Touristen und nicht zu vergessen, der Bahnhof bekam einen Portier (selbstverständlich bewaffnet). Die Queensland Railway als Eigentümerin verkaufte 1902 die letzte A10-Maschine an J. Forsayth, der eine Mühle besaß, zu der ein Nebengleis gebaut wurde. Diese A10-Maschine mit der Nr. 202 ist der Nachwelt erhalten geblieben.

Die Bahnhofsgebäude von Croydon und Normanton wurden von einem Ingenieur namens George Phillips entworfen und nach dessen alten Plänen wurden die Bahnhöfe restauriert und gehören seit 2006 zum nationalen Kulturerbe Australiens. Die Strecke ist fast auf gesamter Länge wieder befahrbar und befördert heute einmal pro Woche stets voll ausgelastete Touristenzüge. Für diesen verkehr sind erhalten geblieben Maschinen vom Typ RM 60 und RM 93, die alle in Ipswich gebaut wurden.

Quellen: Internet-Recherche bzw. div. australische Literatur aus eigenem Bestand                

Franz Blazek