Westaustralien wird als Sammelgebiet oft unterschätzt. Vielleicht, weil 80% aller Marken den Schwan als Motiv haben. Wie an anderer Stelle gezeigt wurde, liegen die philatelistischen Goldgruben hier in Perforations-Kombinationen, Farbvarianten und Wasserzeichen.

Aber auch – oder gerade – die billige Massenware erhält einen zusätzlichen Reiz durch die Vielfalt unterschiedlicher Abstempelungen.

Bevor eine Marke in den Papierkorb wandert, verdient sie in jedem Fall noch einen zweiten Blick.

Die Informationen zu den hier vorgestellten Abstempelungen basieren zunächst weitestgehend auf den Ausführungen von Robson Lowe im Band 42 seiner “THE ENCYCLODEDIA OF BRITISH EMPIRE POSTAGE STAMPS”.

Wenn man dann ins Detail einsteigen will, benötigt man aber “WESTERN AUSTRALIA The Stamps and Portal History..” Dieses zweibändige Werk der Western Australia Study Group hilft auch bei der Zusammenstellung von Bögen, Suche nach Plattenfehlern und den publizierten Veröffentlichungen im Original. Auch im Bereich der Stempel gibt es viel mehr Detailwissen. Für Robson Lowe war z.B. der Typ A1 ausreichend für eine Identifikation; diese Veröffentlichung unterscheidet aber weitere Typen auf Basis der Anzahl der Balken. 

 

A

A1

B

Nummern-Stempel:

Diese Stempel wurden in der Zeit von 1854 – 1870 eingeführt.

Die erste Form von 1854 (jeweils vier Balken oben und unten und zwei Balken gebogen rechts und links) enthielt noch keine Ziffer und war für alle Postämter gültig.

Diese Form wurde ab 1859 für einen Großteil der Postämter verwendet und deren Nummer in die Mitte gedruckt.

In der Mitte sehen wir die dritte Form, mit einem Kreis um die Nummer. Diese wurde nur für wenige Postämter verwendet; teilweise aber auch schon in den ersten Jahren.

Es werden hier zur Vereinfachung die Stempel-Kennzeichen von Robson Lowe verwendet.

Variante 1 (ab 1859)

In dieser ersten Variante sind die Balken besonders fein.

Es gibt hier 15 Balken. Da in den seltensten Fällen, alle Balken sichtbar und somit zählbar sind, ist hier auf die vollständigen (!!!) Balken oben und unten zu achten. Bei diesem ersten Typ sieht man drei vollständige Balken; bei den anderen Typen sind es nur zwei.

Es sind die Nummern 1 bis 24 vertreten.

3 = Perth

(in späteren Jahren wurde die Station umbenannt)

3 oder 8 ???

Ich tippe auf 8

Hier sind eindeutig alle 15 Balken sichtbar.

8 = Fremantle

Die “8” kommt bei mir am häufigsten vor

14 = Albany 

(Toodyay, Newcastle)

Unterschiedliche Namen für unterschiedliche Jahre und Quellen; Albany kommt vcn Robson Lowe, die anderen von der Study-Group. Es gibt aber Briefe, die die Orte in Klammern bestätigen

18 = Bunbury

20 = Champion Bay

(später dann Geraldton)

Variante 2 (ab 1864/1872)

Man geht von 1864 aus, da dann entsprechende Postämter eröffnet wurden. Die früheste nachgewiesene Verwendung war aber erst in 1872.

Es gibt hier 12 Balken. In manchen Fällen, wie z.B. die “1” ist man sich nicht ganz sicher, ob der dritte Balken vollständig ist. Hier zählt man dann die Balkensegmente am Rand.

Bei 9 ist es Variante 1, bei 8 ist es Variante 2 und bei 5 die Variante 3. 

Das Bild bei “1” ist sehr typisch; eine der acht Balken (oben oder unten) ist “fast” durchgängig.

Wie so häufig, gibt es auch bemerkenswerte Ausnahmen. An Stelle von 12 Balken auf jeder Seite, gibt es Marken, die 11 auf der einen dafür aber 13 Balken auf der anderen Seite haben. 

Es sind die Nummern 1 bis 36 vertreten.

1 = Perth

7 = Northam

8= Lower Blackwood

(später Nannup) 

16 = Port Gregory

(Entgegen Robson Lowe ordnet die Study Group dies York zu)

26 = New Norcia

30 = Roeburne 

35 = Northampton

Variante 3 (ab 1870)

Es gibt hier 9 Balken.  

Die Balken sind auch eindeutig dicker, so dass diese Variante sehr gut zu erkennen ist.

11 = Fremantle

(Entgegen Robson Lowe ist die Zuordnung für die Study Group unklar.)

Buchstaben-Stempel:

Ca. 1880 wurde dieser Typ mit 11 Balken eingeführt, der in der Mitte Buchstaben (7-9 mm hoch) an Stelle von Ziffern hatte.

Die Zuordnung von Buchstaben zu Poststationen ist in den bekannten Quellen identisch.

Die Study Group beschreibt zusätzlich weitere Typen mit Buchstaben, die in Kombination mit einem Datums-Stempel auftreten. Wenn man einen Buchstaben in der folgenden Liste nicht findet, war es bestimmt ein Duplex-Stempel.

AL-Albany; AR-Arthur River; B-Bunbary; BE-Beverley; D-Dongara; E-Eticup (später Broome Hill); F-Fremantle; G-Guildford; GR-Greenough; GT-Geraldton; K-Kojonup; P-Pinjarra

B = Bunbury (7 mm)

B = Bunbury (9 mm)

BE = Beverley

Da man nur ein “E” sieht, ist dies natürlich nur eine Vermutung. Wenn man aber den Durchmesser des Kreises berücksichtigt, wäre links noch viel zu viel Platz. Daher gehe ich von einem zweiten Buchstaben aus.

P = Pinjarra

Im Duplex-Stempel ist der Kopf erheblich kleiner 

Buchstaben-Duplex-Stempel:

Der Datums-Teil befindet sich immer links. Sollte auf der rechten Seite ein Datums-Teil sichtbar sein, handelt es sich um den Ausschnitt von einem zweiten Stempel-Abschlag. Links befindet sich “AUSTRALIA” von unten nach oben geschrieben. Bei dem zweiten Bild unten handelt es somit definitiv nicht um “A” sondern eher um ein “V”.

Die Vielfalt der Ausprägungen ist sehre hoch. Die Study Group berichtet von 36 Varianten alleine für Perth.

A = Albany?

Links oben sieht man die Striche vom Datums-Teil.

V = ?

Hier sieht man rechts den Datums-Teil, wobei “AUSTRALIA” von oben nach unten verläuft.

 

V = ?

(jetzt richtig gedreht)

F = Fremantle

 

G = Guildford

G.P.O.-Varianten (im Kreis):

Es handelt sich um Abstempelungen des Hauptpostamtes in Perth. Hier gibt es vielfältige Varianten.

Grob unterscheidet man nach den Schrifttypen Serifed (geschwungen) oder nicht. Am einfachsten erkennt man den Unterschied beim “P”. Die Serife-Variante hat unten einen Querstrich. Der Datums-Teil befindet sich links von GPO. Im anderen Fall ist GPO um 90 Grad gedreht; der Datumsteil befindet sich oberhalb.

Manchmal wird jeder der drei Buchstaben mit einem Punkt abgeschlossen, manchmal aber auch nur “G.” und “P.”.

Es werden die Typen der Study Group verwendet.